New Work, KI und Digitalisierung:
Strategische Hebel für die Markenführung in Zeiten transformativer Umbrüche
Wie die C-Level-Ebene der Immobilienwirtschaft heute über Räume, Prozesse und Kultur entscheiden muss, um die Marke von morgen zukunftsfest aufzustellen.
1. New Work: Wenn der Raum zur Haltung wird
New Work ist längst nicht mehr nur eine HR-Initiative oder ein architektonischer Trend. Es ist ein strategischer Paradigmenwechsel, der unser Verständnis von Arbeit, Führung und Marke neu definiert. In einem Umfeld permanenter Unsicherheit und sich wandelnder Arbeitsmuster wird die Gestaltung von Arbeitswelten zum Spiegelbild der Unternehmensidentität. Büros sind nicht länger Orte des reinen Arbeitens – sie werden zu Manifestationen der Unternehmenskultur, zu emotionalen Ankerpunkten, zur sichtbaren Haltung.
Laut der Deloitte-Studie „The Future of Work 2024“ erwarten 87 % der Unternehmen, dass hybride Arbeitsmodelle dauerhaft Bestand haben. Gleichzeitig geben nur 38 % an, bereits eine Strategie zur strukturierten Umsetzung entwickelt zu haben. Die Folge: Leerstände in repräsentativen Objekten, sinkende Identifikation bei Mitarbeitenden und eine wachsende Kluft zwischen Innen- und Außenwahrnehmung.
Arbeitsumgebungen als Arbeitgeberversprechen
Wer heute Talente gewinnen und binden will, muss mehr als Benefits bieten: Er muss Räume schaffen, die Empowerment, Zugehörigkeit und Innovation fördern. Die neue Arbeitswelt ist fluide, teamzentriert und technologieunterstützt. Erfolgreiche Unternehmen wie EDGE, Union Investment oder CA Immo setzen auf hybride Raumkonzepte mit hoher Nutzerorientierung. Die Fläche wird dabei zum strategischen Hebel im Employer Branding – nicht durch ihre Größe, sondern durch ihre Qualität und Adaptionsfähigkeit.
Lösungsansätze für Entscheider
Entwicklung agiler, modularer Flächenkonzepte mit zonierten Arbeitslandschaften.
Einsatz digitaler Tools für Buchung, Navigation und Auslastungssteuerung.
Integration ESG-konformer Materialien und Well-being-Zertifizierungen (z. B. WELL, DGNB).
Förderung einer Kultur von Eigenverantwortung und Ergebnisorientierung.
Zusammenarbeit mit Workplace Strateg:innen zur kontinuierlichen Anpassung.
2. Digitalisierung: Das Fundament für Transparenz, Effizienz und ESG
Digitalisierung ist nicht länger optional, sondern Grundvoraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Transparenz. Doch viele Unternehmen stehen vor der Frage: Wie lassen sich digitale Systeme sinnvoll integrieren, ohne die Organisation zu überfordern?
Die PwC Digital Real Estate Survey 2023 zeigt, dass 72 % der Unternehmen Digitalisierungsprojekte priorisieren – aber nur 28 % über ein stringentes Zielbild und konsistente Datenflüsse verfügen. Fehlende Standards, isolierte Systeme und mangelnde Datenkompetenz bremsen die Skalierung.
Von der IT-Initiative zur Unternehmensstrategie
Digitale Plattformen wie CAFM-, IWMS- oder ERP-Systeme bilden heute das digitale Rückgrat für Betrieb, ESG-Reporting und Portfoliooptimierung. Unternehmen wie Art-Invest, alstria oder Swiss Life RE gehen mit datengetriebenen Dashboards, vernetzten Sensoren und KI-gestützter Analyse voraus. Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern die Klarheit im Vorgehen: Eine Digitalisierungsstrategie muss aus der Unternehmensstrategie heraus entwickelt werden – und nicht umgekehrt.
Lösungsansätze für Entscheider
Aufbau eines zentralen Daten- und Prozesshauses als digitale Basis.
Definition einer Digital Roadmap mit kurz-, mittel- und langfristigen Prioritäten.
Einsatz von Digital Twins für Lebenszyklusbetrachtung und Szenarioplanung.
Integration von ESG-KPIs in bestehende Systeme zur Steuerung von Nachhaltigkeitszielen.
Schaffung digitaler Kultur durch Change-Programme und Qualifizierungsoffensiven.
3. Künstliche Intelligenz: Vom Experiment zum Wettbewerbsvorteil
Künstliche Intelligenz (KI) transformiert Wertschöpfung, Kommunikation und Entscheidungsfindung grundlegend. Wer sie richtig einsetzt, verschafft sich einen Wissensvorsprung – wer zögert, riskiert Relevanzverlust.
Ob Marktanalyse, Dokumentenverarbeitung, Energieoptimierung oder Kundenservice: KI ist heute ein Game Changer entlang der gesamten Immobilienwertschöpfungskette. Beispiele aus der Branche belegen dies: Die STRABAG PFS nutzt KI zur vorausschauenden Wartung. Union Investment analysiert mit Sentiment-Analysen Standortrisiken. JLL setzt auf GPT-basierte Tools zur automatisierten Investment-Bewertung.
Herausforderungen als Gestaltungsaufgabe
Doch KI ist kein Selbstläufer. Die zentralen Hürden liegen in Datenqualität, ethischen Standards, interner Akzeptanz und regulatorischen Anforderungen (Stichwort EU AI Act). Nur wer Governance, Compliance und Mensch-Maschine-Zusammenarbeit professionell orchestriert, wird KI als strategischen Asset etablieren können.
Lösungsansätze für Entscheider
Entwicklung konkreter KI-Use-Cases entlang der unternehmerischen Pain Points.
Aufbau eines interdisziplinären KI-Governance-Boards (Legal, IT, Business).
Sicherstellung von Datensouveränität und DSGVO-Konformität.
Integration von Explainable AI-Ansätzen für mehr Nachvollziehbarkeit.
Transparente Kommunikation gegenüber Mitarbeitenden und Stakeholdern.
4. PropTechs: Partner für die digitale Evolution
PropTechs sind nicht mehr nur Start-ups – sie sind Innovationspartner mit systemischer Relevanz. Ihre Lösungen reichen von digitalen Mietvertragsplattformen über BIM-gestützte Planungssoftware bis hin zu intelligenten Gebäudesteuerungen via IoT.
Die Integration dieser Lösungen bietet erhebliche Potenziale: Verkürzte Projektlaufzeiten, verbesserte Nutzererfahrung, Transparenz in der Bewirtschaftung. Aber: Der Markt ist fragmentiert. Ohne klare Schnittstellenstrategien und Innovationsmanagement droht ein Wildwuchs an Insellösungen.
Lessons Learned erfolgreicher Unternehmen
Best-Practice-Unternehmen wie Signa Innovations oder Blackprint Booster kombinieren internes Know-how mit gezieltem Start-up-Scouting. Sie setzen auf offene Plattformen, MVP-Projekte und kontinuierliche Evaluation. Entscheidend ist nicht das Tempo der Innovation – sondern ihre strategische Relevanz und Skalierbarkeit.
Lösungsansätze für Entscheider
Aufbau eines systematischen Innovationsmanagements (Scouting, Piloting, Scaling).
Nutzung von PropTech-Daten zur Verbesserung von ESG- und Nutzungs-KPIs.
Integration digitaler Tools in Bestandsprozesse via API und Middleware.
Kooperationsmodelle mit PropTechs (z. B. Joint Ventures, Innovation Labs).
Verankerung digitaler Innovationskompetenz im Middle Management.
5. Handlungsempfehlungen für C-Level-Entscheider:innen
Der Erfolg von Transformationsprozessen entscheidet sich an der Spitze. Die Marke wird in Zukunft zur Steuerungsinstanz unternehmerischer Ausrichtung. In einem zunehmend volatilen Marktumfeld wird sie zum Kompass, zur Vertrauensbasis und zur Plattform für Zusammenarbeit.
Strategische Verankerung
Transformationsthemen wie Digitalisierung, New Work oder KI müssen in der Unternehmensstrategie verankert werden. Das bedeutet: klare Budgets, Verantwortlichkeiten auf Vorstandsebene und messbare Ziele.
Change Management & Kulturentwicklung
Technologischer Wandel ist immer auch kultureller Wandel. Ohne Beteiligung, Kommunikation und Qualifizierung bleibt jede Innovation ein Strohfeuer. Kultur muss gestaltet, nicht ertragen werden.
Daten, Standards und Infrastruktur
Der Rohstoff der digitalen Zukunft sind Daten. Ihre Qualität, Verfügbarkeit und Standardisierung entscheiden über die Leistungsfähigkeit von KI und digitalen Tools. IT muss strategischer Partner werden, nicht nur Dienstleister.
KPIs und Steuerungslogik
Was nicht gemessen wird, wird nicht gemanagt. Erfolgskriterien der Transformation sollten frühzeitig definiert, laufend gemessen und transparent kommuniziert werden. Beispiele: Nutzungsgrad flexibler Flächen, Digitale Reifegrade, ESG-Indikatoren, Akzeptanzwerte neuer Tools.
Marke als Plattform
Die Marke wird zum Betriebssystem für Transformation. Sie vermittelt Sinn, Haltung und Orientierung. In ihr spiegelt sich, wie Unternehmen mit Unsicherheit, Technologie und Kultur umgehen.
Fazit: Wer morgen relevant sein will, muss heute mutig transformieren
Die europäische Immobilienwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Die Kombination aus New Work, Digitalisierung, KI und ESG ist kein vorübergehender Trend, sondern ein Strukturwandel. Wer ihn gestaltet, positioniert sich als vertrauenswürdige, resiliente und innovative Marke.
Markenführung wird damit zur unternehmerischen Klammer, die Kultur, Technologie und Strategie verbindet. Es braucht keine visionären Hochglanzprojekte – sondern evidenzbasierte, skalierbare und mutige Schritte.
Oder, um es in einem Bild zu sagen: Die Marke ist nicht mehr das schöne Logo über der Tür. Sie ist das Fundament, auf dem Transformation gebaut wird.