Prof. Dr. Thomas Beyerle
Professor für Immobilienwirtschaft

Neue Regierung –
neuer Booster für die Immobilienmärkte? 

Letztlich ist es immer das Gleiche in der immobilienwirtschaftlichen Marktforschung: Sobald die Bewohner dieses Landes die Frage gestellt bekommen „Wo und wie sie am liebsten wohnen möchten, wenn Sie sich den Wunsch erfüllen könnten?“ liefern die Antworten in klares Bild. „In einem großen Haus, gerne im Grünen“. Das mag man dann Abtun als verklärte Sicht, doch der Blick wie und wo man wohnt in 2025, gibt schon ein Hinweis warum es zu dieser „Wunsch“-Antwort kommt. Etwa 31 % der privaten Haushalte in Deutschland leben in einem Einfamilienhaus, diese stellen die häufigste Form des Immobilienbesitzes darstellen. Der Wunsch entspringt folglich, aus dem Feld der 70 % Wohnungswohnenden, zumal diese zu rund 75% in Städten und Ballungsräumen leben. Die Projektionsfläche „großes Haus im Grünen“, erscheint zumindest deshalb nachvollziehbar in der Marktforschung. Folgt „die Politik“ dem Willen des Volkes, so muss sie die Rahmenbedingungen definieren wie z.B. die Einführung eines § 246e Baugesetzbuch um Wohnraum schneller zu schaffen. Oder die Vereinfachung von Baustandards und die rechtliche Absicherung des Gebäudetyps E.. So weit, so gut! Doch zentrale Stellschrauben sind weiter unangetastet um den Märkten Schwung zu verleihen, wie z.B. eine Entlastung bei der Grunderwerbssteuer, eine investitionsfreundliche Reform des Mietrechts. Stattdessen die Verlängerung des Umwandlungsverbots und Mietpreisbremse.  

Dem Wunsch nach „mehr Eigentumsbildung“ weht seit geraumer Zeit der harte Wind des politischen Zeitgeistes entgegen. Mehr noch, das freistehende Einfamilienhaus scheint aus der Zeit gefallen zu sein in den Lebensmodellen, den urbanen Standorten, der Stadtplanung und der Baulandausweisung, der Bezahlbarkeit und der Klimabewegung. Die gängigen Argumente kommen – in der isolierten Analyse – scheinbar überzeugend daher: Stichwort Urbanisierung – die jüngere Generation und Stadtbewohner bevorzugen oft Wohnungen oder Mehrfamilienhäuser aufgrund der kurzen Wege zu Arbeit, aufgrund der besseren (Einkaufs-)Infrastruktur und dem urban geprägten Lebensstil. Die Kosten für Grundstücke und Baupreise machen Einfamilienhäuser für viele unerschwinglich, besonders in Ballungs- bzw. sog. Speckgürteln. Hinzu kommt, dass kompakte Wohnformen wie Reihenhäuser oder Mehrgenerationenhäuser als umweltfreundlicher postuliert werden, da sie insgesamt weniger Fläche und Energie verbrauchen. Einfamilienhäuser haben pro Kopf einen höheren Energie- und Ressourcenverbrauch als Mehrfamilienhäuser oder Reihenhäuser. Zunehmend werden auch soziale Aspekte angeführt: Einfamilienhaus-Siedlungen sehen sich dem Stigma ausgesetzt als sozial isolierend angesehen zu werden, da sie weniger Gemeinschaftsflächen und Interaktion fördern als urbanere Wohnformen. 

In suburbanen Regionen oder bei Familien mit Kindern bleibt das Einfamilienhaus weiter attraktiv. Es ist dabei weniger eine Frage von "en vogue" bzw. bezahlbar, sondern von Praktikabilität, dem individuellen Lebensentwurf und der oft geäußerten Lebensqualität. Die Debatte dreht sich deshalb zunehmend um einen zukünftigen Ausgleich zwischen persönlichen Wünschen und gesellschaftlichen Notwendigkeiten wie Klimaschutz und Bezahlbarkeit. Das Einfamilienhaus ist nicht "out", aber seine Popularität schwankt je nach Region, Zinslandschaft und gesellschaftlichen Trends. In Deutschland bleibt es für viele deshalb weiterhin ein Wunsch.